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Nordkap Tour Juli 1996
(Auf zur Mitternachtssonne)


Es kann losgehen.

Noch ein wenig müde, aber bester Laune starteten wir drei gegen 7.30 Uhr Richtung Norden. Die BMW´s fuhren trotz des vielen Gepäcks (250 l) sehr ruhig der Mitternachtssonne entgegen. Pünktlich zur Abfahrt der Fähre erreichten wir Fehmarn. Nach einstündiger Fährfahrt erreichten wir Dänemark. Etwas geschafft schlugen wir in Rödby auf Seeland unser erstes Zeltlager auf einen Campingplatz auf. Mit Nudeln und Bier beendeten wir den ersten Tag. Nach einem kräftigen Bikerfrühstuck (Knäckebrot und starker Kaffee) starteten wir drei (eigentlich waren wir jetzt vier; wir haben nämlich noch einen Niederländischen Biker getroffen, der nach Stockholm wollte) wieder durch, um Dänemark zu durcheilen. Schließlich lag unser Ziel noch in weiter Ferne. Gegen Nachmittag erreichen wir den Fährhafen von Helsingör. Bereits nach einer halbstündigen Fährfahrt befuhren wir den "elchhaltigen" Boden von Schweden. Abends erreichten wir Jönkopping, wo wir einen sehr gepflegten Campingplatz an einem riesigen Natursee gelegen ansteuerten. Die Zelte waren ruckzuck aufgebaut und der nordische Lorenz schien in voller Pracht.




Ausgeruht und bei strahlendem Sonnenschein ging es Richtung Stockholm weiter. Die Fahrt dorthin gestaltete sich als weniger entspannend. Der dichte Verkehr und die vielen Warnhinweise in Bezug auf Elche bereiteten einem doch immer ein mulmiges Gefühl. Gesehen haben wir allerdings keine Elche! Kurz vor Stockholm, verabschiedete sich eine Diodenplatte an einem Motorrad. In der Hoffnung, die Batterie hält die Fahrt noch aus, setzten wir unsere Fahrt fort. Gott sei Dank hielt die Batterie tatsächlich noch bis Stockholm und wir suchten mitten in der Großstadt einen Schrauberladen, der auch BMW-Ersatzteile vorrätig hat. Nachdem uns ein ausgesprochen freundlicher Schwede mit Erfrischungsgetränken versorgt hatte, telefonierte er alle Werkstätten an, die im Telefonbuch standen. Prompt fand er heraus, daß ausgerechnet in Stockholm die größte BMW Niederlassung Stockholms ansässig war. Was für ein Glück! (zumindest auf dem ersten Blick ...) Die Wegbeschreibung, die uns der Monteur gab, war zwar recht gut, aber trotzdem brauchten wir mindestens eine Stunde um den Laden zu finden; Nicht weil wir uns nicht zurechtgefunden hätten, sondern weil die größte BMW-Niederlassung Schwedens in einer Tiefgarage mitten in einem dichten Wohngebiet lag. Aber egal, wir waren ja jetzt da! Was aber nicht da war, war eine Ersatzdiodenplatte :-( Der Monteur hatte allerdings den - wie sich später herausstellen sollte - entscheidenden Tip. Er nannte uns einen Schrauberladen, dessen Besitzer selbst eine BMW fährt, und der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dieses Ersatzteil vorrätig hätte. Sensibilisiert durch die Suche nach der "größten BMW Werkstatt Schwedens" fuhren wir aufmerksam zu der angegebenen Adresse. Und auch dieser Laden befand sich tatsächlich in der Garage eines Wohnhauses. Aber das Ersatzteil war zum Glück diesmal vorrätig. Nach einem 5 Stündigen Zwangsaufenthalt in Stockholm ging es weiter Richtung Knista, wo wir einen sehr idyllisch gelegenen Campingplatz aber mit einfachstem Sanitärkomfort erreichten. Der nächste Morgen verhieß nichts Gutes. Bei dicken Wolken und Regen mußten wir unsere Zelte naß einpacken. Gegen Mittag aber klärte sich der Himmel auf und die Sonne ließ sich wieder blicken. Nach über 600 Kilometern wunderschöner Küstenstraße erreichten wir Rundvick wo wir zum ersten Mal eine Hütte an einer schönen Bucht mieteten. Frustriert über die im allgemeinen horrenden Preise in Skandinavien, verhandelte Ralf den ursprünglichen Mietpreis der Hütte von 300 Kr. auf 200 Kr herunter, so daß jeder von uns nur noch ca. 12 DM bezahlen mußte. Wir machten einen langen Abendspaziergang am Meer und uns fiel zum ersten mal auf, dass es hier um 0.00 Uhr noch



immer hell war. Die Weiterfahrt am nächsten Morgen ging über Umea. In der Ortschaft Tore wechselten wir auf die E10, die mit waldreichen Seen sehr schöner zu befahren ist. In Overkalix, unterhalb vom Polarkreis schlugen wir unser erstes "sonniges" Nachtlager auf. Der Campingplatz war mit einem Schwimmbad und Sauna sehr komfortabel ausgestattet.



Bei bestem Wetter ging es am nächsten Morgen Richtung Polarkreis. An diesem heiligen Ort für Biker legten wir eine Rast ein, um an die Lieben Zuhause ein paar Karten zu schreiben. Natürlich haben wir auch an diesem Ort das obligatorische Foto geschossen.



Die waldige Landschaft in Richtung Lappland war von Rentieren und Mücken übersäht. Mittlerweile hatten wir uns auch an die nicht sehr komfortablen Straßenverhältnisse gewöhnt, und ließen die Mopeds "an der langen Leine" laufen. Ein Warnschild, welches auf "Rollsplit" hinwies, ignorierten wir geflissentlich. Das nach ca. 200 Metern schlicht und ergreifend die Teerdecke fehlte, überraschte uns doch ein klein wenig und wir nahmen, nachdem wir knapp an einem Sturz vorbeigekommen sind, wieder Gas weg. Ein Tip: zu schnelles fahren ist in Skandinavien ein ausgesprochen teueres Vergnügen. So kosten zum Bsp. 5 Stundenkilometer "zuviel auf der Uhr" knapp 100 DM!

 

Abends um 19.00 Uhr erreichen wir Munio, wir folgten bereits seit geraumer Zeit einem Hinweisschild, welches zu einem Campingplatz führen sollte. Elendig lange fuhren wir duch ein Gebiet, was ausser Nadelbäumen nichts zu bieten hatte. Zwar glaubten wir schon nicht mehr daran, tatsächlich einen Camplingplatz zu finden, aber wir fuhren trotzdem weiter. Als der Nadelwald einem wunderschönem See Platzmachte, fanden wir den besagten Campingplatz doch noch und der Besitzer begrüßte uns in fließendem Deutsch! Auf Empfehlung des Wirtes bestellten wir Rentier-Gericht zum Abendessen, und waren wirklich von dem Lappländischen Nationalgericht begeistert. Gut gestärkt überquerten wir bei Nacht (im Tageslicht) die finnische Grenze und fuhren bis ca. 2.00 Uhr morgens weiter bis nach Karajosk (Norwegen). In Karajosk nahmen wir uns wieder eine Hütte, da wir zu müde waren um die Zelte aufzubauen. Völlig aufgedreht durch die Helligkeit der Nacht konnten wir trotz der großen Erschöpfung kaum Schlaf finden. OK! Wir hatten auch noch ein kleines bißchen Jack Daniels im Gepäck, und daß wollte noch vernichtet werden. Am nächsten Morgen fuhren wir durch die nördlichen Fjorde Richtung Nordkap. Auf der letzten Fähre zum Kap herrschte ein sehr lebhaftes touristisches Treiben.


Die letzten Kilometer waren kalt, nebelig und sehr stürmisch. Und dann lag unser Ziel endlich in greifbarer Nähe vor uns. Leider war die Enttäuschung groß, da am Mauthäuschen 40 DM pro Person für die Sicht von einem im Nebel verhüllten Felsen bezahlt werden sollte. Wir tauften das Nordkap in Nepp-Kap um und fuhren nach einen kurzen Blick und Klick mit dem Fotoapparat Richtung Campingplatz unterhalb vom Nordkap. Dort bezogen wir eine sehr teure aber leider nur einfache Hütte. Wir hatten noch drei geschmuggelte Dosen Altbier in seinem Gepäck womit wir drei Ritter auf unsere Eroberung des Nordens anstießen.
Der achte Tag begann widererwartend mit Sonnenschein. Nach der Rückfahrt mit der Fähre nahmen wir als nächstes Ziel Hammerfest ins Visier. Obwohl die Fjordstraße nach Hammerfest in eine Sackgasse endet, wurden wir doch mit einer sehr schönen Aussicht auf die Fjordlandschaft entlohnt. In Hammerfest nahmen wir ein sehr köstliches Lachsgericht Abends zelteten wir zum ersten Mal in freier Wildbahn. Das freie Campen ist in ganz Skandinavien erlaubt, solange man keine privaten Grundstücke ungefragt nutzt. Der Kaffee mit frischem Quellwasser aufgebrüht, schmeckte beim knisternden Lagerfeuer einfach göttlich.




Am neunten Tag fuhren wir die E6 bis Overgard runter. Wunderschöne Fjorde, Wasserfälle und Berge umsäumten diese beeindruckende Strecke. Neuer Tag neues Glück. Wir hatten gestern nur 200 Kilometer geschafft im Gegensatz zu unserem sonstigen Tagespensum von 500 bis 600 Kilometer ist die reichlich wenig. Außerdem lagen schließlich noch über 2500 KM Rückweg vor uns! Am nächsten Tag regnete es mal wieder in Strömen und wir durchquerten die Insel Senja mit ihren schönen Felsformationen und ihren teilweise in Nebel getünchten Berge. Der krasse Gegensatz dazu ist die Inselgruppe Vesteralen, die mit ihrer landwirtschaftlich genutzten Fläche schon bald an unsere münsterländische Heimat erinnerte. Abends kauften wir auf uns einem Campingplatz jeder 2 Dosen Heineken Bier. 6 Dosen für sagenhafte für 60 DM!! Am nächsten Morgen genossen wir ein vorzügliches Frühstück auf einem Öko-Bauernhof. Das war eine willkommene Abwechslung an diesem verregneten Morgen. Anschließend traten wir die Weiterfahrt zu den Lofoten an, die sich wie eine andere Welt mit ihren blauen Fjorden und Lagunen vor uns ausbreitete. Abends nahmen wir die Anschlußfähre zum Festland und trafen dann sehr spät auf einem Campingplatz ein. Dort lernten wir ein finnisches Biker-Pärchen kennen, die eine Norwegen-Rundfahrt vor sich hatten. Die Weiterfahrt am nächsten Tag ging über die E6 nach Moi-Rana. Unterwegs sahen wir sehr schöne Wasserfälle, aber auch eine spärliche Vegetation beim Überqueren des Polarkreises. Am nächsten Morgen fuhren wir bei sehr schlechtem Wetter in Moi-Rana ab, als Ziel hatten wir Trondheim anvisiert. In der größten Stadt Nordnorwegen´s wollten wir uns allmählich schon mal wieder auf die Zivilisation vorbereiten. Nach einem langen Tagesritt erreichten wir diese auch dann abends gegen sieben Uhr. Müde bauten wir unsere Iglu´s auf und nach einem kurzem Schwatz mit anderen Motorradfahrern fielen wir müde in unsere "Pennsäcke". Es wurde sehr kühl in dieser Nacht, ich glaube bei solcher Kälte (3°) habe ich noch nie gezeltet. Am nächsten Morgen fuhren wir in Trondsheim´s sehenswerte Innenstadt, wo wir den ganzen Tag verbrachten. Abends entschlossen wir uns aufgrund einer Wetterverschlechterung während der Nacht mit dem Motorrad bis nach Oslo durchzufahren. Als wir morgens gegen sieben Uhr in Oslo eintrafen, mußten wir leider feststellen das die nächste Fähre erst gegen Abend fuhr.


Und so verbrachten wir einen weiteren Tag in einer großen norwegischen Stadt, zwar ein paar Breitengrade tiefer aber trotzdem sehr schön. Anmerkung: Oslo´s Verkehrsführung wirkt auf dem ersten Blick etwas chaotisch, aber nach dreimaligen Verfahren wird jeder sein Ziel finden. Nachdem wir am nächsten Morgen in Hirtshals (DK) eintrafen machten wir uns sofort ans Auschecken, mit Überprüfung des Gepäcks und Auffüllen unserer Kraftstoffvorräte. Da der Kraftstoff in Norwegen sehr teurer ist, (ca 2,20 DM/Ltr.) fuhren wir praktisch mit dem letzten Tropfen auf die Fähre.






Gegen Mittag erreichten wir Hobro, unsere zweitletzte Station unseres Skandinavientrip´s. Hier fanden wir schnell einen Campingplatz. Nach dem Aufbauen der Zelte kauften wir uns erstmalig einen skandinavischen Einweggrill und genossen das gegrillte Fleisch und einige Biere. Danach fielen wir selig in unserer Kojen. Unsere letzte Nacht verbrachten wir in Kappeln an der Schlei, wo wir wehmütig Abschied von dieser großartigen TOUR nahmen.

Der nächste und letzte Tag bescherte uns dann nur noch eine langweilige Autobahnfahrt über Deutschlands A1 bis wir wieder (alle wohlbehalten) zu Hause ankamen.

Eine Anmerkung zum Schluß: Eine Nordkap-Tour mit dem Motorrad ist einer der aufregendsten Touren, die man unternehmen kann. In einer Gruppe lässt sich solch eine Tour mit Abstand am schönsten und auch am sichersten bewältigen. In der Anfangsphase der Planung sollte man sich das kostenlose Informationsmaterial der verschiedenen Fremdenverkehrsverbände zuschicken lassen. Mit diesen Material kann man dann eine individuelle Route zusammenstellen. Als Kartenmaterial empfehlen wir Karten von Michelin oder von Kümmerly & Frey. Der Maßstab sollte, je nach dem was man sehen will, einen Maßstab von maximal 1:300000 haben. Ich hoffe Ihr hattet Spaß beim Lesen und fühlt Euch motiviert auch einmal eine Tour an den nördlichsten Zipfel Europas zu unternehmen. Gute Fahrt wünschen Euch

Lambert & Ralf

 

 

 

 

 

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